Ascheberg in Westfalen

Es gibt ein Ascheberg in Schleswig-Holstein und eins in Westfalen und sonst kein drittes in Deutschland. Das westfälische ist ein münsterländisches und liegt südlich von Münster an der Autobahn A 1 – Hansalinie, mit der es durch die Anschlussstelle 79 verbunden ist. Der knapp 80 Meter hohe Kirchturm ist sowohl von der Autobahn als auch von der hier auf einem Damm gelegenen Eisenbahn Münster – Dortmund aus im Vorbeifahren für einige Minuten gut zu sehen. Seit 1983 werden alle vier Seiten des Kirchturms abends bis 23 Uhr angestrahlt. Ascheberg ist also kaum zu übersehen.

Während die Namen der Nachbarorte Amelsbüren, Hiltrup, Rinkerode, Drensteinfurt, Herbern, Lüdinghausen, Ottmarsbocholt – außer Capelle und Nordkirchen – geradezu unverständlich sind, ist Ascheberg eigentlich recht anschaulich: Asche und Berg. Wie aber kam es zu diesem Namen?

Vermutungen
Fragte man früher in den Nachbarorten nach der Bedeutung von „Ascheberg“, konnte man, je nach Laune der Befragten, ein paar scherzhafte Antworten hören, in der Regel auf Platt. Und das klang dann so: „Askebiärg is Schasskebiärg“. Da schassken saufen bedeutet, war da nicht viel zu rätseln. Allein am Kirchplatz gab es früher fünf Gaststätten, und weitere kamen im Dorf noch hinzu. Andere wussten: „Askebiärg is en Driethaupen“ (Dreckhaufen). Das ist immer noch reichlich unfreundlich, kommt aber der Wahrheit schon etwas näher. Wir werden darauf zurückkommen. Natürlich haben sich auch ernsthafte Forscher damit befasst. Was sagen die Gelehrten über die Herkunft des Namens?
Luftaufnahme von Ascheberg

Neben der Deutung der Ascheberger Lokalnamen durch die Historiker Adolph Tibus und Julius Schwieters, nach der es hier keine Berge gibt, und Ascheberg daher als Asche-Burg zu deuten ist, gibt es auch andere Vorstellungen. So kann man hören, Asche sei ein Name für die hier in der Dorfbauerschaft vorherrschende aschenähnliche Ackerkrume, die sich auffällig unterscheide von den sandigen und lehmigen Böden in den angrenzenden Bauerschaften. Wenn man bedenkt, dass früher verhältnismäßig oft die vorwiegend aus Holz bestehenden Häuser in Brand gerieten und Berge von Asche zurückließen, dürfte der Unterschied zwischen Asche und schwärzlicher Erde jedem bekannt gewesen sein. Es fällt schwer, an diese Theorie zu glauben.

Um Glauben scheint es sich in der Namendeutung nicht selten zu handeln. Der Hamburger Universitätsbibliotheksdirektor Dr. Hans Bahlow (1900 – 1982) war als Lehrbeauftragter für Onomastik (Namenforschung) und Handschriftenkunde an den Universitäten Rostock und Hamburg tätig. Er war kein ordentlicher Professor, und mancher Student, der Bahlows Lehre zu übernehmen bereit war, wurde angesichts der massiven Kritik aus den Kreisen der Onomastiker vorsichtig und kein besonders leidenschaftlicher Anhänger Bahlows. Dieser lehrte, dass alle Lokalnamen aus früheuropäischer Zeit Sumpfbezeichnungen, also „Wassernamen“ seien, und belegte das mit ähnlichen Namen aus allen europäischen und indogermanischen Sprachen. Praktisch bedeutete das, dass nicht nur Felder und Wälder Sumpfnamen trugen, sondern auch die angrenzenden Hügel und Berge, an deren Hängen die ersten Siedler ihre Häuser bauten. Da gab es nichts zu grübeln und zu testen, und Neugier kam erst gar nicht auf.

Wer jedoch den sog. Realbezug der Flurnamen prüfte, also fragte, ob die natürliche Beschaffenheit den Namen rechtfertigte, sah Bahlows Gedanken oft bestätigt. Ein Ham-Feld war tatsächlich früher ein nasses Feld gewesen, das wenig Frucht gebracht hatte, bevor man es entwässerte. Alte Bauern wussten das. Aber ham soll nur „Winkel, Krümmung“ bedeuten. Selbst wenn der Winkel von einem Hauptfluss und einem in diesen mündenden Nebenfluss gebildet wird, die beiden Wasserläufe hier also von besonderer Bedeutung sind und der Winke des Mündungsbereiches oft unter Wasser stand, soll man „Ham“ nicht ein Wasserwort nennen. Der onomastische Laie vermutet übertriebene Ablehnung der Bahlow-Theorien.

Ein Altes Feld liegt im Überschwemmungsgebiet eines windungsreichen Flusses, war also eigentlich ein Al-Feld. Al bedeutet heute noch Jauche, also eine Art von Wasser. Sand, Sent, Sont waren Sumpfwörter, natürlich auch Brok, Brak, Brek, so Bahlow, und so fügte er hunderte von Silben mit Feuchtgebietbedeutung hinzu. Er fand bis heute nur energische Ablehnung seitens der wissenschaftlichen Konkurrenten. Es gibt heute in Deutschland nur einen ordentlichen Lehrstuhl für Namenkunde. Sein Inhaber lässt nur Bahlows Bücher der Personennamen gelten, die er als hervorragend bezeichnet. Aber wegen seines Flurnamenbuches gilt Bahlow als „erbärmlicher Philologe“ und keineswegs „bedeutender und ernstzunehmender Forscher“. Das Buch gehöre in den Mülleimer!

Wer also Ascheberg und ascasberg (so im Werdener Urbar) für ein Wasserwort hält, sollte wissen, dass er sich womöglich sehr irrt, mögen auch die alten Ascheberger sich an Überschwemmungen und viele nasse Ecken erinnern. So war der Boden unter der Himmelstrasse um 1920 so nass, dass die Bäckerei Reher viel nicht eingeplantes Geld für die Absicherung des Kellers gegen das Grundwasser ausgeben musste. Dabei galt die Himmelstrasse als Ort einer germanischen Opferstätte, der man in christlicher Zeit einen „frommen“ Namen gegeben habe. Der Realbezug, hier besonders ein Graben zur Sandstraße, der 1822 zusammen mit dem Sandstraßenbach zugeschüttet worden war, spielte bei den Deutungen des 19. Jh. anscheinend keine Rolle.

(aus den Heimatkundlichen Berichten von Reinhard Schütte. Weitere Berichte unter Berichte.)

Spieker

Im Jahr 1989 wurde der Bau eines eigenen Hauses (Spieker) für den Heimatverein auf Rohlmanns Hof errichtet. Nachdem seit etwa 1969 das Ständer- und Balkenwerk eines alten Speichergebäudes vom Hof Grothues in Senden auf dem Ascheberger Gemeindebauhof an der Altefeldstraße gelegen hatte, konnte nun endlich nach den Plänen des Architekten Axel Simon mit dem Bau des Spiekers begonnen werden. Bisher hatte der Heimatverein einige Jahre als Untermieter in der Musikschule am Katharinenplatz und dann in einem Klassenraum der Realschule eine provisorische Bleibe gefunden. Da das Land NRW Gelder für den Bau zur Verfügung stellte, musste noch vor Jahresende damit begonnen werden. St. Lambertus Kirche

St. Lambertus Kirche

In Ascheberg befindet sich die auf eine Pfarre von 1022 zurückgehende und 1524 errichtete kath. Pfarrkirche St. Lambertus. Der Chor der spätgotischen Hallenkirche wurde 1737 nach einem Entwurf von Johann Conrad Schlaun errichtet. Sehenswert im Inneren ist der aus dem frühen 16. Jahrhundert stammende Taufstein.

St. Lambertus Kirche St. Lambertus Kirche St. Lambertus Kirche St. Lambertus Kirche
Wer die Ascheberger Kirche aufmerksam betrachtet, entdeckt, dass sie aus drei Teilen verschiedener Epochen besteht. Der neugotische Turm, einer der letzten in diesem Stil in Deutschland, entstand 1909/10. Das barocke Chor stammt aus den Jahren1737/40 und das spätgotische Langhaus aus dem frühen 16. Jahrhundert. Es soll 1524 eingeweiht worden sein, was diese Jahreszahl über einer zugemauerten kleinen Tür an der Südwand vermuten lässt.

Der Turm ist 76,50 Meter hoch, mit dem Hahn ziemlich genau 80 Meter. Rund 100 000 Mark hat er gekostet, und dass man ihn überhaupt in dieser Größe und Ausstattung baute, ist dem damaligen Pfarrer Joseph Degener zu danken. Der alte Turm war ein romanischer, nahezu fensterloser Wehrturm gewesen, der allerdings eine wenig attraktive aus dem 18. Jahrhundert stammende Haube trug, die nie Gefallen gefunden hatte und nur das durch einen Blitzschlag zerstörte Dach ersetzen musste. Immer wieder dachten die Ascheberger daran, ihrer schönen Kirche auch einen schönen Turm zu geben. Pfarrer Degener tat es.

Aber kaum war der Mörtel getrocknet, trafen den neuen Riesenturm schon Spott und Abneigung. Er sei geschmacklos und protzig und einem gewaltigen Zahnstocher vergleichbar, das missratene Kind unvernünftiger Eltern. Aber viele haben auch seine Schönheit gepriesen: die sorgfältigen Steinmetzarbeiten, die Maßwerke seiner Fenster, die alle verschieden sind, die großen Heiligenfiguren, den Wimperg über dem Turmportal, die Rundtürme für die Treppen und die Turmkapellen. Welche Dorfkirche hat so etwas schon?

Am 1. September 1910 setzte man den Hahn auf die Spitze, und am 23. Oktober weihte der münstersche Weihbischof Everhard Illigens den Turm und die fünf Glocken, die alle von der Familie Schulze Hobbeling in Davensberg gestiftet wurden. Vier hatte Hugo Schulze Hobbeling in Auftrag gegeben. Als er kurz nach dem Guss der Glocken plötzlich starb, stiftete seine Witwe Elisabeth die fünfte, die Hugo-Glocke. Siebzigtausend Mark hatte die Pfarrgemeinde schon auf die hohe Kante gelegt, als am 2. Mai 1909 der Grundstein gelegt wurde. Pfarrer Kerkhoff aus Nordkirchen hielt im Festhochamt die Predigt, und Pfarrer Degener mauerte einen Glasbehälter mit der Gründungsurkunde und einigen Ansichtskarten von Ascheberg in den Grundstein ein. Die Baupläne stammten von dem Mainzer Architekten Professor Ludwig Becker, die Bauleitung übernahm der Architekt Wilhelm Plaßmann aus Münster, und die Bauunternehmer Kalthoff und Klaverkamp aus Ascheberg und die auf Kirchenbauten spezialisierte Firma Bröcker aus Havixbeck errichteten den Turm. Ende 1909 war er bereits 42 Meter hoch. Selbst die Ascheberger, die den Abbruch des vertrauten alten Turmes bedauert hatten, mussten zugeben, dass der neue sich zu einem beeindruckenden Bauwerk entwickeln würde. Regelmäßig besuchte Prof. Becker Ascheberg und bei Prach mit Wilhelm Plaßmann und Pfarrer Degener notwendige Änderungen im Detail. Die Königliche Regierung in Münster prüfte die Pläne und genehmigte auch einen riesigen Hohlraum, der zu nichts anderem nütze war, als den Turm um ein Dutzend Meter in die Höhe zu strecken, damit er mit den damals vorgesehenen, aber später nicht verwirklichten Chorneubauten harmonieren sollte. 1914 kam der Krieg, und selbst Ascheberger Bürger mit bescheidenem Einkommen zeichneten Kriegsanleihen, wozu Pfarrer Degener dringend riet, nicht zuletzt durch einen Aufruf in der Zeitung, in dem er Zahlungsunwillige als "Wahnsinnige" bezeichnete, die sich am Ende nur selbst schadeten. Für neue Chorbauten gab es da kein Geld mehr. So blieb der Eindruck, dass der Turm nicht mit dem Kirchenhaus harmoniert.

Der aus Ascheberg stammende Bildhauer Anton Rüller in Münster schuf die großen Heiligenfiguren: unter der Galerie an jeder Ecke zwei, dazu Katharina an der Westseite und Lambertus über dem Turmportal und an der Nordseite Josef und Maria mit dem Jesuskind. Das sind zwölf Figuren, die ohne Zweifel von Pfarrer Degener so geplant wurden. Die acht Statuen in Höhe der Glockenstube zeigen ein katholischpatriotisches Programm. Sechs stellen geschichtliche (Mathilde, Ludger, Gottfried, Bonifatius, Hubertus, Ida) und zwei biblische Persönlichkeiten dar (Anna und Elisabeth). Die geschichtlichen überwiegen. Sie sollen aller Welt beweisen, dass sie als katholische Heilige auch bedeutende Gestalten der deutschen Geschichte waren. So ein Kirchturm sollte katholisch und deutsch sein und weit mehr als ein 70 Meter hohes künstlerisch gestaltetes Mauerwerk, eigentlich eine Vatergestalt, ein Über-Ich.

  siehe dazu auch in der Geschichte von Ascheberg

Florianbrunnen

Florianbrunnen alter Standort Florianbrunnen Florianbrunnen alter Standort Florianbrunnen

Kriegerdenkmal

<- Einweihung Löwendenkmal 1927
  siehe dazu auch in der Geschichte von Ascheberg
  siehe dazu auch in der Rubrik Ascheberg

Krankenhaus

Abbruch des Krankenhauses
(Altenheim St. Lambertus) im März 1992
  siehe dazu auch in der Geschichte von Ascheberg

Bahnhof

Einweihung Bahnhof am 17.10.1928
  siehe dazu auch in der Geschichte von Ascheberg

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